Die Wirtschaftliche Gesellschaft für Westfalen und Lippe e. V. verleiht ihren diesjährigen „Internationalen Preis des Westfälischen Friedens“ an die NATO. Diese Entscheidung wurde von einer elfköpfigen, ausschließlich aus Männern bestehenden Jury getroffen, unter ihnen Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bundeskanzler Friedrich Merz, NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst, BW Ministerpräsident Cem Özdemir.

Gegen die Verleihung protestierten bei zwei Veranstaltungen leider nur wenige hundert Menschen. Das schlechte Wetter mag ein Grund gewesen sein. Bei der Veranstaltung der DFG-VK Münster und anderer Gruppen. kamen spannende Redner:innen zu Wort. Jan Schake von „Enschede vor Frede“ erinnerte daran, dass mit dem Westfälischen Frieden auch der über 80 Jahre andauernde Krieg zwischen Spanien und den Niederlanden zu Ende ging. Franz Nadler von „Connection e.V.“ als Preisträger des Alternativen Westfälischen Friedenspreises stellt ihre Arbeit für Kriegsdienstverweigerer und Deserteure aus vielen Länden dar, u.a. aus der Ukraine und Russland, aus der Türkei und aus Israel. Kathrin Vogler, Landessprecherin der LINKEN betonte, dass bei der richtigen Kritik anm Krieg Russlands gegen die Ukraine die völkerechtswidrigen Krieg der NATO, u.a in Jugoslawien und in Libyen nicht vergessen werden dürften, von den Militäraktionen der USA ganz zu schweigen. Sie erinnerte auch an die Gefahren der Atomrüstung und forderte die NATO auf, den Ersteinstz der Masssenvernichtungswaffen auszuschließen.




Der Westfälische Friede steht historisch für die Überwindung von Gewalt durch Verhandlung, für Ausgleich statt Eskalation und für den Vorrang ziviler Lösungen. Er markiert den Beginn einer Ordnung, in der Frieden nicht militärisch erzwungen, sondern politisch gestaltet wird.
Die NATO hingegen ist ein Militärbündnis, dessen Kern in Abschreckung, Aufrüstung und militärischer Durchsetzungsfähigkeit liegt. Sie ist Teil geopolitischer Konfliktdynamiken und war und ist in bewaffnete Auseinandersetzungen involviert. Eine solche Institution mit einem Friedenspreis auszuzeichnen, verschiebt den Maßstab dessen, was als „Frieden“ gelten soll, denn damit droht eine begriffliche und politische Entwertung des Friedensgedankens selbst: Wenn militärische Bündnisse als Träger von „Frieden“ ausgezeichnet werden, wird der Unterschied zwischen ziviler Konfliktlösung und militärischer Machtpolitik verwischt, mit dem Ziel, Krieg und die massive militärische Aufrüstung politisch und moralisch zu rechtfertigen.
Dagegen erheben wir Widerspruch. Gerade in einer Zeit wachsender globaler Spannungen und Konflikte braucht es eine klare Stärkung von Diplomatie, gewaltfreien Lösungsansätzen und Völkerverständigung – nicht deren symbolische Gleichsetzung mit militärischer Logik.
Wir unterstützen die Demonstration von Münsteraner Friedensgruppen
1. Oktober, 15 Uhr, Demonstration vom Münsteraner NATO-Hauptquartier, dem 1. Deutsch – Niederländischen Corps (Schlossplatz)
zur Abschlusskundgebung auf dem Prinzipalmarkt.
Redner:innen: Kathrin Vogler (Landesprecherin der LINKEN NRW), Udo Buchholz – Anti-Atominitiative Gronau, Franz Nadler – Connection e.V. u.a.
Hier der Aufruf und der Ablauf als PDF ….
Alternativer Westfälischer Friedenspreis
Als Gegenprojekt gegen den Westfälischen Friedenspreis, der das Wort Frieden nicht verdient, ist der Alternative Westfälische Friedenspreis entstanden. Der gleichnamige Verein vergibt in diesem Jahr zum ersten Mal den Preis an die Organisation Connection e.V. , die sich seit Jahrzehnten für Kriegsdienstverweigerer in aller Welt einsetzt.
Der Preis wurde verliehen am Freitag, 25.09. 18:00 Uhr, Historisches Rathaus zu Münster
Hier ein Beitrag zur Verleihung aus dem WDR-Fernsehen: https://www1.wdr.de/mediathek/video/nrw-video/alternativer-westfaelischer-friedenspreis-muenster-118.html
Die Laudatio hielt Bernd Drücke, DFG-VK Mitglied und Redakteur der Zeitung „Graswurzelrevolution“: https://www.youtube.com/watch?v=2OKMWLanXiY
Mehr unter https://www.alternativerwestfaelischerfriedenspreis.de/