Antifaschistischer Stadtplan Wattenscheid

Die Broschüre mit zahlreichen Orten in Wattenscheid die an die Zeit des Faschismus in Deutschland erinnern ist nun fertiggestellt und wurde am 31.8., dem Todestag der damals 15jährigen Betti Hartmann im Rahmen des Gedenkens an die in Auschwitz ermordete der Öffentlichkeit präsentiert. Nach dem jährlichen Gedenken an Betti Hartmann stellvertretend für die 6 Millionen jüdischen Opfer fand die Präsentation statt.

Das Kuratorium "Stelen der Erinnerung" hatte eingeladen, und die Doppelveranstaltung mit dem Gedenken und der Präsentation war gut besucht, und die teilnehmenden Gäste der Präsentation nahmen dankbar die druckfrischen Exemplare entgegen.

Der druckfrische Stadtplan präsentiert auf 44 Seiten die Spuren des Faschismus, vom Denkmal an die ermordeten jüdischen Wattenscheider Menschen und die in Wattenscheid verlegten Stolpersteine bis hin zum ehemaligen "Park Ehrenmal", der nach einer Bürgeranregung "Hannes Bienert Friedenspark" hätte heißen sollen und nun "Friedenspark Ehrenmal" heißt, und der Freilichtbühne, die von den Planern nicht als Vergnügungsstätte vorgesehen war, sondern der Nazi-Propaganda hätte dienen sollen.

Auch mit Straßennamen wird Politik gemacht, die Horst Wessel Promenade, der Adolf Hitler Platz und der Platz der SA gehören auch in Wattenscheid der Vergangenheit an. Alte Militaristen werden nach wie vor mit Straßennamen geehrt, wie Seydlitz (auch bekannt als Namensgeber der Bundeswehrkaserne in Kalkar), Derfflinger, oder Moltke (wobei nicht der Widerstandsbeteiligte vom 20. Juli 1944 sondern ein schon 1891 verstorbener preußischer Militarist der Namensgeber ist).

Die niedergebrannte Synagoge hat ein eigenes Kapitel, genau wie der jüdische Friedhof, den die Nazis mit Trümmerschutt zugekippt hatten, und das ehemalige Judenhaus von dem inzwischen durch Abriss des Hauses alle Spuren beseitigt sind. Dort mussten seit 1941 die noch in Wattenscheid lebenden jüdischen Menschen wohnen, von dort wurden sie in die Vernichtungslager deportiert.

Die Broschüre erinnert auch daran, dass der sagenhafte Reichtum des Kaufhauskettengründers Helmut Horten auf "Arisierungen" jüdischer Kaufhäuser gründete. Das zweite dieser Kaufhäuser die er unter Ausnutzung der Notlage der Besitzer für weit unter Wert hat erwerben können, war das Kaufhaus Hess in Wattenscheid.

Der 1928 geborene Hannes Bienert hatte den Grundstock für dieses Projekt gelegt, er hat seine antifaschistischen Spuren in Wattenscheid hinterlassen auch mit der Benennung des Betti-Hartmann-Platzes die auf seine Initiative zurückgeht sowie den Stelen mit den Namen der jüdischen Wattenscheider Opfer. Diese Stelen sind Namensgeber des Kooperationspartners "Kuratorium Stelen der Erinnerung" mit dem zusammen das Alois Stoff Bildungswerk der DFG-VK NRW dieses Projekt durchgeführt hat.

Das nun vorliegende Werk hat zum Ziel, dass damit gearbeitet wird, es soll Schulen zur Verfügung stehen, es soll als Grundlage für nun folgende Antifaschistische Rundgänge in Wattenscheid dienen, und es wird auch in der Stadtbibliothek und im Stadtarchiv ausliegen.

Der Stadtplan ist auch als PDF im Internet einzusehen, des Datenvolumens wegen aufgeteilt in Kapitel.

Impressum und Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Die Stelen

Stolpersteine in Wattenscheid

Betti Hartmann

Ludwig Steil Haus, Paul Cohn Haus, Gedenkstein für Nikolaus Gross
sowie Thingstraße und die Freilichtbühne im Stadtgarten

Straßennamen im Faschismus

Täter und Opfer

Der jüdische Friedhof an der Bochumer Straße
sowie die niedergebrannte Synagoge

Vom Judenhaus ins Vernichtungslager
der Friedenspark mit dem Ehrenmal
sowie Kaufhauskette Horten entstanden durch Bereicherung an jüdischem Eigentum

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